Pride 2.0

Warum schwules Bewusstsein mehr sein sollte, als ein Grund zum Feiern

CSD Hamburg 2019

Das dieses Jahr anders ist, scheint inzwischen jedem von uns bewusst geworden zu sein. Kontaktbeschränkungen, Sicherheitsabstände, Maskenpflicht, da mag keine richtige Partystimmung aufkommen. Dabei war gerade diese ausgelassene Feierlaune immer einer der Motoren im schwulen Alltag. Das Bild wurde ja auch dankbar in allen Medien gespielt: durchtrainierte Körper, die sich zu Clubsounds auf Trucks durch die City schaukeln lassen. Prideseason, in Deutschland Christopher Street Day genannt, ist in den letzten Jahren zu einem reinen Partyevent mutiert. Mich darüber beschweren darf ich leider nicht, war ich doch jedes Jahr ein Teil dieser Feierlichkeiten.

Wie anfangs aber schon erwähnt, ist dieses Jahr nun aber anders. Ein guter Zeitpunkt, um vielleicht einmal ein paar Dinge zu überdenken. Warum war ich bei den Strassenumzügen dabei? Welchen Zweck hatten die Veranstaltungen für mich. Das Procedere war in jedem Jahr fast immer identisch. Morgens traf man sich mit Freunden in de Nähe des Startpunkts der Parade, bewaffnet mit Make-up und flaschenweise Alkohol, um dann im Verlauf des Umzugs dem Wagen zu folgen, dessen Musik man am ansprechendsten fand. Politische Parolen oder Inhalte? Ähm sorry, but no….. Und da war es auch egal, ob man in Hamburg, Berlin, Amsterdam oder Madrid war, es war der Spaß der absolut im Vordergrund stand. Das ist natürlich auch ok. Sichtbarkeit, Toleranz und Akzeptanz müssen Spaß und Freude ja nicht ausschließen. Sie dürfen halt davon nur nicht vollkommen verdrängt werden.

Nun finden dieses Jahr die Feierlichkeiten, die an die Aufstände vor und im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York im Jahre 1969 erinnern sollen, ohne den ganz großen Zirkus der vergangenen Jahre statt. In Hamburg wird es eine Fahrraddemo geben, die Stadt Köln plant eine Demonstration ohne das Straßenfest im Oktober. Die Frage ist, ob diese rein politischen Veranstaltungen die Menschen mobilisieren können. Wahrscheinlich nicht in der Menge, was aktuell eh verboten wäre. Aber hoffentlich im puncto Ernsthaftigkeit. Denn nur, weil die große Party ausfällt, bedeutet es ja leider nicht, dass die Probleme dadurch auch nicht mehr existent sind. Ganz im Gegenteil. Gerade in unsicheren Zeiten reagieren Menschen auf Vieles, was nicht in ihr Schema passt, mit Ablehnung oder sogar Aggression. So ist in jüngster Zeit ein deutlicher Anstieg an homo- und transphoben Straftaten zu verzeichnen. Hier ein deutliches Signal zu setzen, sollte im Interesse eines Jeden sein.

Und warum beschränkt man seinen Aktionismus nur auf diese paar Wochen im Sommer? ich selber habe mir vorgenommen, mich verstärkt auch über die CSD-Saison hinaus zu engagieren. Gestartet habe ich mit einer Spendenaktion, um Geld für Queer Refugees Deutschland zu sammeln. Unter dem Link

https://paypal.me/pools/c/8qhYe27FZD

kann man mit nur einem Klick via PayPal Geld spenden, auch anonym, wenn gewünscht.

Wer über den CSD hinaus unterstützen will, kann sich hier gern über Prokjekte informieren:

LSVD

Queeramnesty Hamburg

Coming-Out-Day

Hein und Fiete

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