Attention, please..

grayscale photography of people raising hands

Ich habe es getan. Nach wochenlangem Ignorieren habe ich damit begonnen, Menschen aus meiner Follower-/Freundes-/Bekanntschaftenliste zu löschen. Ist das jetzt bockiges Teenagerverhalten oder einfach das Recht, keinen Mist mehr lesen zu wollen?

Vorab möchte ich anmerken, daß hier jetzt nicht um das Pro und Contra irgendwelcher Corona-Verschwörungstheorien geht. Für mich waren nur die wiederholten pseudowissenschaftlichen Ansätze mancher Mitmenschen ein Grund, den Entflogen-Button zu drücken. Das wiederum nahm einer der Entsorgten zum Anlaß, nachzufragen, warum ich nicht mehr zu seinem Freundeskreis zählen möchte. Ich antwortete freundlich, daß wir bei seiner Sicht auf die aktuelle Gesundheitslage erst einmal eine Pause bräuchten. Es folgten die übliche Beschimpfungen, gepaart mit der heillosen Selbstüberschätzung, er hätte das System durchschaut und ich würde schon sehen, was noch alles passieren würde, bla bla bla….

Nun, man kann niemandem vorschreiben, was er zu denken hat oder wie er seine Umwelt daran teilhaben läßt. Ich führe ja nun selbst ein relativ transparentes Leben, jeden Tag ein Bild auf Instagram, mal mehr, mal weniger bekleidet, poste und berichte über Produkte, die mir gefallen. Damit bin ich ja nicht allein, das machen inzwischen ein paar Millionen Menschen, einige davon nennen sich Influencer, wobei ich oftmals nicht verstehe, wie mich diese Posts beeinflussen sollen.

Ist es einfacher Wunsch nach Aufmerksamkeit? Möchte man wirklich etwas bewirken oder verändern? Besagter Entfolgter sieht sich sicherlich in der Rolle, etwas Gutes mit seinen Beiträgen leisten zu wollen, auch wenn die Inhalte fraglich sind. Aber wer bestimmt, welche Relevanz man hat? Ist es allein die Reichweite? Welche Inhalte kann man guten Gewissens aktuell noch vertreten? Gerade das Jahr 2020 stellt uns vor so viele Herausforderungen, da ist es auf der einen Seite notwenig, daß Menschen etwas Zerstreuung finden, ein wenig alte heile Welt, auch wenn es „nur“ langweilige Outfitposts sind. Andererseits gibt es, beziehungsweise gab es schon immer Wichtigeres als hübsche Internetphänomene im niedlichen Festival-Outfit, bitte immer vor einem Riesenrad fotografiert.

Vielleicht liegt das Problem auch einfach bei mir selbst, kann ich doch aktuell gar nicht genau sagen, was meine Position ist und wo genau ich gerade stehe. Muss man einen fixen Schwerpunkt haben? Ist man politisch? Entspricht man dem Zeitgeist? Sollte man einfach so weitermachen, wie man es selbst für richtig hält? Macht man sich öffentlich zum Affen, nimmt das aber für ein paar Likes und ein paar kostenlose Produktsamples in Kauf?

Ich bin sicher nicht der Erste, der sich das Alles fragt. Aber falls jemand eine Antwort hat, immer her damit.

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