Wenn die Nachtigall singt

„Music is the key…“-eine oft zitierte Phrase. Wofür sie der Schlüssel ist, bleibt oft unbeantwortet. Dabei kann sie Türen öffnen oder aber Erinnerungen sicher verwahren.

Musik ist so ein wenig meine Allzweckwaffe. Sie lenkt mich beim Sport ab, wenn die Motivation mal etwas im Keller ist. Wenn ich über neue Rezepte nachdenke, läuft sie gern mal sehr laut dabei, manche Textpassagen sind eine Inspiration bei der Namensgebung eines Drinks oder manchmal sogar für eine Zutat. Gern nutze ich dabei keine vorgefertigten Playlists, sondern streame die Titel im Random-Mode. Dabei erlebt man manchmal ganz phantastische Überraschungen, hört längst vergessene Songs.

Heute morgen war wieder einer dieser Momente. Ich hatte gerade meine erste Übung im Sportstudio hinter mir, als ich plötzlich von Wolfsheim „The Sparrows and the Nightingales“ auf die Ohren gespielt bekam. Das Stück habe ich das letzte Mal vor 25 Jahren gehört, aber die Lyrics waren sofort präsent und wie so oft, wenn Musik eine Erinnerung wachruft, hatte ich umgehend Bilder im Kopf. Ich stand plötzlich wieder in der Osho. So nannten wir die Bhagwan-Disko „Zorba, the Buddha“ am Rastplatz in Hannover. Es war Sonntag Abend und neben mit tanzten Olli und Heike und ihre Freundin, die mich immer Dorian nannte und ich sie Sibyl (ja, wir mochten Oscar Wilde!).

Und irgendwie ging die musikalische Reise weiter. Es folgten Sisters of Mercy und zack, befand ich mich an einem Freitag Abend im Moorkater und tanzte mit Verena, Heiko, Ingo, Frank und Jessica zu „Temple of Love“. Bei „Sympathie for the Devil“ von den Stones sah ich auf einmal die Lichtanlage der Esplanade über mir, in Gesellschaft von Peter und Simone. Und „Techno Man“ von And One katapultierte mich schließlich zum Bizarre Monday auf die Tanzfläche des Jolly Jokers in Braunschweig, zusammen mit Jan und Isa und Elke. Keine Ahnung, ob ich mit den genannten je wirklich diese Abende verbracht habe. Mein Kopf setzte die Bilder jedenfalls so zusammen.

Ja, ich hab‘ ein wenig geheult.

Nun werden mit 46 automatisch die durchtanzten Nachte rarer, aktuell leider sogar ganz ausgeschlossen.Darüber zu sinnieren, ob Maßnahmen sinnvoll sind oder nicht, wäre jetzt müßig und soll auch nicht Thema dieses Artikels sein. Vielmehr erinnert es mich daran, positive Erinnerungen zu schaffen, auch wenn es momentan nicht so einfach ist. Diese Momente, die mir heute wieder vor meinem geistigen Auge präsentiert worden, haben mir den restlichen Tag unfassbar versüßt. Zu vielen der genannten Personen habe ich keinen oder nur noch sehr wenig Kontakt, aber in der Erinnerung und der Musik sind sie fast zum greifen nah. Lustigerweise hab ich mich bei jedem Lied mit ihnen auf der Tanzfläche gesehen.

Abgesehen davon, daß Ich so Bock habe, irgendwann wieder auf eine Party zu gehen und einfach nur zur Musik zappeln mag, sollte man auch immer auf die weisen Worte von Kermit hören:

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