Unter Freunden

Wie es sich anfühlt, wenn man nach vielen Jahren auf sein ehemaliges Idol trifft und merkt, daß man irgendwie unterschiedlich gealtert ist.

Mein lieber Max, du warst der Überheld meiner Jugend und meines Erwachsenwerden, als ich in den 90ern des letzten Jahrtausends im kleinen Gifhorn saß und raus wollte in die Welt. Jede Ausgabe habe ich verschlungen, quasi auswenig gelernt. Alles, wirklich restlos alles, was ich auf deinen Seiten entdeckte, war, gemessen an meinem kleinstädtischen Standard, jenseits von cool. Damals war das ja noch nicht so ein ausgelutschtes Kompliment.

Ich fuhr 1996 in den Semesterferien in meinen ersten großen Italienurlaub und arbeitet fleißig alle Punkte deines Florenz-Cityguides ab. Ich fing im gleichen Jahr an, in Hamburg auszugehen und stand dann irgendwann ehrfürchtig an der Tür des EDK vor Miss Nico, die ich bis dahin nur aus Artikeln von Dir kannte, ich glaube „Helden der Nacht“ hieß die Serie damals, mit Sammelkarten zum heraustrennen, um die Szenegrößen in Berlin, Hamburg und München auch ja zu erkennen.

Toskana 1996

Bei dir las ich zum ersten Mal vom Summer of Love (oder war das in der Tempo?-anyway, gleiche Zeit…) und als du mal ganz psychedelisch eine CD auf dein Cover geklebt hast, war das DER Soundtrack des Moments, der 24/7 gespielt wurde. Streckenweise kaufte ich zwei Ausgaben, um aus den Bildstrecken Postkarten, Bucheinschläge oder sonstigen Tinnef zu basteln, kurz – du warst omnipräsent.

The Sound of MAX

Du kannst Dir also ansatzweise vorstellen, wie komplett ich aus dem Häuschen war, als ich 1998 erst einen Praktikumsplatz und kurz darauf eine Festanstellung bei Dir ergatterte. Der kleine Dirk aus der südlichen Lüneburger Heide, saß da auf einmal in der Milchstraße, zusammen mit Klaus Stockhausen und Betty Brenn und durfte in der Moderedaktion mitspielen. Das war alles sooooo krass. José Redondo-Vega war damals Textchef, stand eines Vormittags bei uns im Büro und ließ mich mein erstes Labelportrait schreiben, über Iceberg, full page, gefühlte drölfmilliarden Zeichen. Knapp 8 Wochen später lag dann da eine Max-Ausgabe und im Modeteil stand unten kursiv meine Name unter dem Artikel. Weiß gar nicht, wie lange ich aufm Klo saß und geheult habe, weil ich es echt nicht fassen konnte, jetzt so ganz in Echt dabeisein, bei dir Max, bei meinem großen Held.

Nightlife 2000

2001 trennten sich dann unsere Wege, Peter Lewandowski holte mich für sein damaliges Projekt nach Berlin, von Max zu Maxim klang ja irgendwie logisch.

Jetzt haben wir 2020 und Peter ist jetzt bei deiner Neuauflage an Bord, so scheinen sich Kreise zu schließen.Ich habe der Mode vor 6 Jahren den Rücken gekehrt und du Rampensau drehst noch mal auf. Als wir uns nun vor drei Tage wiedertrafen, waren die alten Geschichten gleich wieder präsent, aber ich hatte echt Mühe, dir zu folgen. Weiß nicht, ob es daran liegt, daß sich meine Interessen geändert haben oder ich Dich inzwischen irgendwie altmodisch finde, der Funke sprang jedenfalls nicht über.

Über Geschmack läßt sich nun bekanntlich nicht streiten, aber über Layout, Stefanie Giesinger und Lebensästhetik können wir ja mal unter vier Augen sprechen.

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