Seemannslieder

„Ein Lied kann eine Brücke“ sein sang Joy Fleming bei Grand Prix im Jahre 1975 für Deutschland. Eben dieses Land besingen Rammstein in ihrem 2019 erschienenen gleichnamigen Song. Es folgt jetzt kein Versuch eines Brückenschlages.

MIt Joy Fleming habe ich so gar nichts am Hut. Ok, ab und zu taucht sie in Random-Playlists auf, die der Algorithmus auf Spotify mir vorschlägt. Das liegt aber eher an meinem doch recht indifferenten Musikgeschmack. Also jetzt nichts gegen Frau Fleming und ihr musikalische Œuvre, aber mein Herz hängt einfach nicht dran.

Ganz anders aber mein Verhältnis zu Rammstein. Großes Kino! So viele ihrer Songs haben mich durch die unterschiedlichsten Situationen meines Lebens begleitet. „Adios“ war, neben „Kopf hoch, tanzen!“ von Herbert Grönemeyer, eines der wichtigsten Musikstücke, die mich zum Beispiel durch meine Entzugstherapie seinerzeit in der Klinik in Hürth begleitet haben und die mich in Krisenzeiten immer wieder die Kurve kriegen lassen. Zu „Sonne“ habe ich früher nach fast jeder Schicht die Bar geputzt, „Seemann“ läuft als persönlicher Soundtrack im Kopf, wenn ich mir meine Tattoos ansehe. Irgendwie krank, oder?

Also irgendwie meine ganz persönlichen Shanties. Lieder, die entweder von Matrosen und Hafenarbeitern bei der Arbeit gesungen wurden oder die sehnsuchtsvoll von Fernweh und entfernen Orten berichteten. Passt also beides. Meine safety haven sozusagen.

Wie wichtig mir Musik ist, um Situationen zu verarbeiten oder schlichtweg, um mich gut zu fühlen, darüber habe ich ja bereits einmal geschrieben. Therapeutisch gesehen, sind diese Zeilen wahrscheinlich wieder nur ein weiterer Kanal meiner histrionischen Persönlichkeitsstörung. (In die Bezeichnung bin ich übrigens ein wenig verliebt.)

Warum schreib ich es dann? Einfach weil ich Bock drauf habe. Weil ich seit ewigen Zeiten nicht mehr geschrieben habe und langsam wieder reinkommen möchte in die Schreiberei.

Weil ich vielleicht insgeheim hoffe, dass einer der Rammstein-Jungs das hier liest, dabei denkt: „Ach schau mal, ganz netter Typ, von dem lass ich mir mal nen Cocktail servieren.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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